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HomeAssistant - Die perfekte Smarthome Zentrale?

Ist HomeAssistant die perfekte Smarthome Zentrale? Um es vorweg zu nehmen: Nein, ist sie für mich persönlich nicht. Aber sie passt aktuell am besten zu meinen Anforderungen und kommt meiner Vorstellung einer perfekten Zentrale am nächsten. Warum liest du in diesem Beitrag.

Wer bereits einen meiner früheren Posts gelesen hat weiß, dass ich bisher homee als Smarthome Zentrale verwendet habe. Ein sinnvolles Würfelkonzept, kein Cloudzwang und eine (nicht offizielle) API mit deren Hilfe ich homee an meine geänderten Anforderungen angepasst habe. Die Bedienbarkeit über die App war immer sehr gut, die schlanke Benutzerführung gefällt mir bis heute. Und vor allem: Kein Abo. Einmal kaufen und ewig lange nutzen.

Aber es gibt auch negative Aspekte. Die von homee untertstützen Sensoren und Aktoren sind nicht preiswert. So kostet ein Fenstersensor aus dem Z-Wave System mal gerne EUR 50,00. Gleiches gilt für brauchbare Aktoren. Wirft man einen Blick auf Enocean kann man noch mal EUR 20,00 zusätzlich rechnen. Anstelle einer direkten Anbindung der Hue-Bridge wird der eigene Zigbee-Würfel genutzt. Ergebnis: Weniger Funktionen und subjektiv eine schlechte Reichweite. Die Liste lässt sich fortsetzen. Aber kommen wir zum Thema.

Warum HomeAssistant?

Bei der Entwicklung meiner Erweiterungen für das homee System habe ich zwangsläufig über den Tellerand geschaut. Schnell landet man bei Homey, die clevererweise die Entwicklung von Erweiterungen an die Community ausgelagert haben. Bereits einige frühere homee-User sind dorthin abgewandert. Allerdings scheint dort auch nicht alles Gold zu sein was glänzt. Dazu genügt bereits ein Blick ins Herstellerforum. Und warum dann nicht gleich zu einer komplett freien Lösung? Schnell haben sich drei mögliche Optionen ergeben: ioBroker, openHab und HomeAssistant.

Durch die Entwicklung des homee-API Pakets hatte ich bereits erste Berührungspunkte mit ioBroker. Allerdings bin ich mit der Oberfläche nicht wirklich warm geworden. Ein Design aus den 90ern, gepaart mit reichlich Unübersichtlichkeit. Trotz der scheinbar sehr guten Funktionalität hat mich ein Blick auf die Blockly-Automationen dann aber entgültig vertrieben. Zu Openhab hatte ich ebenfalls keinen Draht. Optisch etwas ansprechender (es gibt mehrere UI’s), müssen hier die Automationen auch über eine auf den ersten Blick eigene Scriptsprache angelegt werden. Also auch raus.

Auch wenn ich kein Fan des Material-Designs bin, wirkte HomeAssistant auf den ersten Blick gleich viel aufgeräumter und übersichtlicher als die beiden Alternativen. Ein Blick in die verfügbaren Integrationen zeigte schnell, dass HomeAssistant ein riesiges Portfolio an unterstützten Geräten bietet. Darunter auch MQTT-Geräte, die mehr oder weniger frei konfigurierbar sind. Außerdem lässt sich das “Lovelace”-Frontend mit mehr oder weniger großem Aufwand anpassen.

Das optionale HomeCard Addon gibt einen schnellen Überblick über das eigene Smarthome. Je nach Gerätezustand scheint das Licht durch die Fenster, Haustür oder Garage stehen offen und das Auto ist weg.

Für Einsteiger bietet man ein fertiges Image für einen Raspberry Pi an. Ich selbst habe HomeAssistant in meinen Docker Smarthome Softwarestack integriert und bin damit recht flexibel. Schnell waren dann auch die ersten Geräte eingebunden. Dank Zigbee2MQTT und den von mir verwendeten Shelly Geräten war dies problemlos über MQTT möglich. Außerdem ist das ganze dadurch entkoppelt und lässt sich auch einfach durch andere Systeme (z.B. Node-RED) nutzen.

Mit dem Lovelace Frontend lassen sich übersichtliche Dashboards konfigurieren. Auch Grundrisse sind möglich.

Etwas aufwendiger war der Zugriff von unterwegs einzurichten. Eine DuckDNS Erweiterung bietet in der Einsteiger Variante eine kostenlose Subdomain und via Let’s Encrypt ein kostenloses SSL-Zertifikat zur Verschlüsselung der Verbindung an. Im Docker-Stack mit Homeassistant-Core muss man entweder auf einen Reverse-Proxy oder Traefik zurückgreifen. Letzteres ist alles andere als leicht zu konfigurieren. Vorteil ist hier aber die Flexiblität: Es lassen sich leicht viele weitere Container hinzufügen. Alternativ kann man für den externen Zugriff die optionale, kostenpflichte Cloud nutzen und unterstützt gleichzeitig das Projekt.

In den letzten Updates von HomeAssistant wurde nochmal stark an der Usability geschraubt. Leichtere Integrationen über das User-Interface und eine noch übersichtliche Oberfläche erhalten langsam Einzug. Lovelace, sozusagen das Dashboard von HomeAssistant, bietet nahezu unendliche Möglichkeiten hinsichtlich der Gestaltung der Oberfläche. Zahlreiche Themes und benutzerdefinierte Kacheln zur Darstellung der Geräte geben dem ganzen auf Wunsch einen neuen Look. Unter Awesome HA sieht man schnell wieviele Entwickler hier Erweiterungen bereitstellen, die (noch) nicht in der Hauptinstallation verfügbar sind. Dazu gehört auch die, oben in der Animation gezeigte, Home-Card.

Als iOS-Nutzer braucht man das bereitgestellte Frontend aber nicht unbedingt. Für den händischen Eingriff, der im Smarthome im Prinzip nur selten nötig sein sollte, können die Geräte aus HomeAssistant über Homekit integriert werden. So lassen sich diese nicht nur über Siri, sondern auch über Apples Home App oder eine der anderen Homekit kompatiblen Apps steuern.

Automationen

Die aus meiner Sicht größte Umgewöhnung stellen die Automationen dar. In homee einfach per App zu konfigurieren, legt man sie in HomeAssistant aktuell am einfachsten über das Webinterface an. Die Automationen folgen hier ebenfalls dem Muster Auslöser, Bedingung, Aktion. Allerdings ist die Auswahl der richtigen Dienste oder Geräte samt der erweiterten Konfiguration nicht so schön gelöst.

Neue Automatisierung in HomeAssistant. Etwas mehr Hilfestellung bei erweiterten Einstellungen wäre hilfreich.

Ein wenig Hilfestellung würde hier dem Anfänger mit Sicherheit das Leben leichter machen. Als Entschädigung bieten z.B. Push-Benachrichtigungen über die kostenfrei erhältlichen Apps für Android und iOS jede Menge Möglichkeiten. Mit wenig Aufwand lässt sich so ein Bild der Kamera bei einer Benachrichtung eines Bewegungsmelders an die Benachrichtigung hängen. Unter iOS können auch die Schnellaktionen für weitere Aktionen verwendet werden. In vielen anderen System kann man davon nur träumen.

Alternativ können die Automationen auch außerhalb von HomeAssistant angelegt werden. Für Node-RED gibt es ein Plugin, welches dank Websocket Verbindung jede Sensor-Änderung live mitbekommt. Auch in Homekit können über die integrierten Geräte Automationen eingerichtet werden. Das nimmt dem ganzen gerade für Einsteiger die Komplexität.

Negative Aspekte

  • Für die ein oder anderen Geräte muss aktuell noch auf die händische Konfiguration über eine .yaml Datei zurückgegriffen werden. Grundsätzlich aber machbar, da die einzelnen Integration gut dokumentiert sind. Die letzten Updates haben zudem einen stärkeren Fokus auf die Konfiguration über die GUI gelegt. Das Editieren der Dateien sollte also zunehmend weniger werden.
  • Die Anwesenheitserkennung über die iOS und Android App erfolgt über die Geo-Location. Leider funktioniert das nicht immer 100% zuverlässig. Außerdem reicht es oft zu wissen, ob jemand Zuhause ist oder nicht. Daher übernimmt bei mir Node-RED die Anwesenheitserkennung und teilt das Ergebnis HomeAssistant über MQTT mit.
  • Die Erstellung von Automationen über das Webinterface gibt leider wenig Hilfestellung. Gerade bei komplexen Automationen ist es meist einfacher, die Automation direkt in der entsprechenden .yaml Datei anzulegen.
  • Man benötigt viel Zeit zur Einarbeitung. Die Möglichkeiten sind so groß, dass es für (fast) jedes Problem eine Lösung gibt. Das erschwert allerdings auch den Einstieg.

Positives

  • Riesiges Portfolio an unterstützten Geräten die Out-of-the-box funktionieren.
  • Sehr hohe Stabilität. In mehr als 6 Monaten Einsatz konnte ich keinen einzigen Absturz verzeichnen. Automationen und Schaltvorgänge werden zuverlässig ausgeführt.
  • Kostengünstige und stromsparende Hardware möglich. Auch auf einem eventuell vorhandenen NAS mit Docker ist eine Installation möglich.
  • Wer auf die Cloud verzichtet, kann HomeAssistant kostenfrei nutzen.
  • Viele Hilfestellungen und Anregungen in der Community (auf Englisch).
  • Stetige Weiterentwicklung und Integration neuer Geräte.

Perfekt oder nicht?

Alles in allem ist HomeAssistant sicher nicht perfekt und vielleicht auch nicht für jeden geeignet. Wer nur ein paar Geräte über eine App konfigurieren und automatisieren möchte wird vermutlich von der Vielfalt der Möglichkeiten erschlagen. Hier sind die fertigen Lösungen wie homee oder Homekit die vermutlich bessere Wahl.

Wer bereits die ein oder andere Erfahrung gemacht hat und nun etwas mehr will, sollte einen Blick riskieren. Dank Docker lässt sich das ganze lokal recht schnell ausprobieren und bei nicht gefallen mindestens genau so einfach wieder löschen. Es empfiehlt sich etwas mehr Zeit einzuplanen und sich die zahlreichen Beispiele im Netz, insbesondere in der HomeAssistant Community, anzuschauen. Aus meiner Sicht ist in Sachen Integration aktuell jedenfalls kein besseres Smarthome System zu finden.

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